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Mit Kompression auf dem Jakobsweg – Part 3

Leben, Laufen, Lachen mit Lipödem – mit Kompression über den Jakobsweg

 

16. September 2023 Fão – Castillo do Neiva

 

Jakobsweg Tag 2

Nach einer unruhigen und wenig erholsamen Nacht starten wir den Tag mit einem Frühstück in unserem Hostel. Wir brechen früh auf und suchen erst einmal ein wenig irritiert den Weg, da wir ihn gestern auf der Suche nach einem anderen Hostel verlassen hatten.

 

Wir folgen einfach ein paar anderen Pilgern in einiger Entfernung und hoffen, dass die uns wieder zu den nächsten gelben Pfeilen führen. Für heute ist Regen angesagt, doch wir bleiben zunächst verschont. Wir wandern Kilometer um Kilometer über Kopfsteinpflaster und können das Meer tatsächlich nur erahnen, weil wir die kleinen Dörfer ein paar hundert Meter entfernt von der Küste durchwandern. Irgendwann erwischen uns doch die ersten Tropfen und wir flüchten in eine Bar.

Dort läuft – wie so oft in spanischen und portugiesischen Bars lautstark der Fernseher mit irgendeinem Sportprogramm. Wir bestellen uns einen Milchkaffee und zwei Pasteis de Nata. Ich habe im Vorfeld schon von dieser Leckerei gehört und möchte die kleinen, mit einer Crème gefüllten Teilchen unbedingt probieren. Sofort ist es um mich geschehen. Diese kleinen, süßen Teilchen sind wirklich köstlich!

Wir beobachten die Leute um uns herum und ich ergänze meine Notizen in meinem Tagebuch, bis der Regen ein wenig nachlässt. Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, suche ich noch die Toilette auf.

Tatsächlich muss man von unseren deutschen Standards hinsichtlich Ausstattung und Sauberkeit ein wenig Abstand nehmen. Auch diese Toilette war winzig und es gab nicht mal eine Klobrille. Wer sich schon einmal in einer Kompressionsstrumpfhose gepellt hat, weiß, dass man alles brauchen kann, nur keine mikroskopisch kleine Toilettenkabine. So dauerte mein Toilettenbesuch ungeplant ein paar Minuten länger, bis alles wieder an Ort und Stelle sitzt.

Wir folgen den gelben Wegweisern weiter in Richtung Castillo do Neiva. Dort wollen wir heute in einer öffentlichen Herberge übernachten. Nach einigen Auf‘s und Ab‘s immer wieder über Kopfsteinpflaster führt uns der letzte Abschnitt unserer heutigen Etappe durch einen wunderschönen Wald entlang eines Flusses. Ich fühle mich, als würde ich in eine Märchenwelt eintauchen.
Füße mit Kompression im Meer

Die Farben sind intensiv, der nasse Waldboden duftet herrlich und im Hintergrund rauscht der Fluss. Hier merke ich auf einmal sehr deutlich, wie wohltuend die Natur ist und genieße einfach diesen wunderbaren Weg. Nach einiger Zeit lichtet sich der Wald und wir gelangen zum Flussufer. Eine mittelalterlich anmutende Steinbrücke führt über den Fluss. Ein wenig erschöpft lassen wir uns am Flussufer nieder und stecken unsere Füße aus.

 

Was ein herrlicher Ort für eine Pause! Noch schöner wäre es tatsächlich, wenn nicht so viele Pilger unterwegs wären. Ich bin wirklich überrascht von der großen Anzahl der Pilger, denen wir begegnen. Hier an der Steinbrücke kann man ein ständiges Kommen und Gehen beobachten. Alte und junge Pilger, Fahrradpilger, kleine Gruppen und Solopilger, mit großen Rucksäcken und Tagesgepäck. Auch alle Nationen sind vertreten. Dennoch erscheinen uns die deutschsprachigen Pilger in der Mehrheit zu sein.

 

Bild von einer Brücke im Wald von Portugal
Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns auf den Weg zur Herberge, die nur noch ein paar hundert Meter entfernt sein soll. Die paar hundert Meter haben es aber richtig in sich! Es geht steil bergauf und ich komme richtig ins Schwitzen. Oben angekommen bietet sich uns ein fantastischer Ausblick auf das etwa 2 km entfernte Meer. Die Sonne scheint und wir sind glücklich. Da wir uns, um unsere Füße zu schonen, nur eine kurze Etappe von etwa 16 km vorgenommen haben, sind wir schon früh in unserer Herberge.

 

Wir können zum Glück direkt einchecken. Nach dem obligatorischen Pilgerstempel weist uns die freundliche Hospitalera zwei Betten in dem 20-Betten-Schlafsaal zu. Zum Glück beide unten! Ich schlucke kurz, denn unsere Betten bestehen aus Plastikmatratzen. Decken und Kissen stehen zur Verfügung, ebenso ein Betttuch und Bettwäsche aus einem papierähnlichen Stoff als Einmalbezug.

 

Die Angst vor Bettwanzen ist allgegenwärtig.

 

Aber besonders einladend sieht das Bett nicht aus. So entschließe ich mich, das Betttuch zu nutzen, aber in meinem mitgebrachten Schlafsack und mit meinem aufblasbaren Kopfkissen zu schlafen. Die Betten stehen dicht an dicht, der Raum ist nicht besonders groß. Na, ob ich hier gut schlafen kann? Aber hilft ja nichts, ich hab mich schließlich auf dieses Abenteuer eingelassen. Also Augen zu und durch.

 

Rieke und mich zieht es ans Meer. Und so beschließen wir, mit Buch und Handtuch bewaffnet die 2 km bis zum Strand zu laufen. In 
FlipFlops. Dabei übersehen wir leider, dass der direkte Weg zwar 2 km beträgt, aber wir einen großen Umweg laufen müssten, um über Wege und Straßen zum Strand zu gelangen.

 

Wir beschließen es trotzdem zu versuchen und gehen das letzte Stück querfeldein. So landen wir an der Flussmündung in einer kleinen geschützten Bucht. Wir legen uns in den warmen Sand und genießen einfach die Zeit am Meer. Nach einer guten Stunde machen wir uns wieder auf den Rückweg. Es geht stetig bergauf bis zu unserer Herberge.

 

Mir schmerzen inzwischen die Füße, besonders mein linker Fuß. Was haben wir uns bloß dabei gedacht, über 4 km mit FlipFlops zu laufen? Unser Vorsatz unsere Füße zu schonen ist jedenfalls nicht aufgegangen. Am Abend haben wir wieder deutlich über 20 km zu Fuß bewältigt.
Nach unserem Strandausflug ist ‚Waschtag‘. Für mich und meine Klamotten. Das Damenbad besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Duschkabinen mit einer Saloon-artigen Schwingtür im Eingangsbereich. Es ist eng, nass und ziemlich gut einsehbar. 

Das Ausziehen gleicht einem kleinen Stepptanz, da ich auf meinen FlipFlops balanciere und gleichzeitig versuche weder nass zu werden, noch irgendetwas zu berühren. Auch das Duschen gestaltet sich ähnlich. Ich versuche so schnell wie möglich fertig zu werden. Meine Kleidung wasche ich in einem dafür vorgesehenen Waschbecken per Hand. Das Auswringen der Strumpfhose ist alleine fast unmöglich.

Alles tropft und ich hänge meine nasse Kleidung auf einen Bügel im Flur und ich hoffe, dass die Sachen bis morgen ansatzweise trocken werden. Zurück in unserem gemischten Schlafsaal stellt sich mir die Frage, wie ich jetzt wieder in meine Klamotten und insbesondere in die Strumpfhose komme. Nur in Unterwäsche bekleidet möchte ich das ungern vor allen Mitpilgern versuchen. Zum Glück habe ich einen Pareo im Gepäck, den ich mir als Sichtschutz an das Hochbett gebastelt habe. Halb im Liegen, halb im Sitzen zwänge ich mich auf dem Bett in meine Strumpfhose. Ziemlich unwürdig, wie ich finde.

Zum Abendessen gehen wir in das einzige geöffnete Lokal im Ort. Doch zuvor setzen wir uns auf eine kleine Mauer gegenüber der Herberge und genießen ein kühles Bier in der Abendsonne. Wir sind uns einig: auch heute ist uns wahnsinnig viel Gutes begegnet. Im Restaurant fragen wir kurzerhand einen Spanier, ob wir uns zu ihm an den Tisch setzen dürfen. Er ist schon mehrfach durch Spanien und Portugal gepilgert und wir tauschen unsere Erfahrungen aus.

Rieke ist heute mutig und probiert Fisch, den sie eigentlich nicht mag. Erstaunlicherweise schmeckt es ihr und es sollte nicht das letzte Mal sein auf dieser Reise, dass sie Fisch isst.

Wandertag 2 – geschafft

Vielen Dank liebe Denise für den ersten Einblick in deine Reise! Wir sind schon sehr gespannt auf Tag 4.

Wenn auch du eine Geschichte mit deiner Kompression hast, dann sende sie uns gerne zu: kontakt@mykompriguide.de

Foto von Denise und ihrer Bonustochter vor der Reise

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