Lip- und Lymphödem im Job
Was hat das Lipödem mit der Schilddrüse zu tun?
Vielleicht kennst du das: Du hast ein Lipödem und irgendwann kommt noch eine Schilddrüsenerkrankung dazu. Oder du fragst dich schon länger, ob deine Schilddrüse eine Rolle spielt, weil du dich ständig müde fühlst, Wassereinlagerungen hast oder dein Gewicht sich trotz aller Mühe nicht wie gewünscht verändert.
Viele Betroffene berichten von genau dieser Kombination. Auch in Lipödem-Praxen und auf Fachseiten werden Schilddrüsenerkrankungen als häufige Begleiterkrankung genannt. Aber was bedeutet das? Kann die Schilddrüse das Lipödem wirklich beeinflussen?
Was macht die Schilddrüse eigentlich?
Die Schilddrüse sitzt vorne am Hals und ist etwa so groß wie eine Walnuss. Sie ist klein, aber mächtig, denn sie produziert vor allem die Hormone T3 und T4. Diese Hormone wirken an sehr vielen Stellen im Körper.
- Stoffwechsel und Energie
Die Schilddrüse steuert dein Körpertempo. Bei einer Unterfunktion läuft alles langsamer: Man ist schneller müde, friert schneller, fühlt sich träge und nimmt leichter zu. - Wasserhaushalt und Gewebe
Schilddrüsenhormone beeinflussen die Verteilung von Flüssigkeit im Gewebe. Bei einer Unterfunktion lagert der Körper eher Wasser ein, was sich wie Schwellungen anfühlen kann. - Hormonelles Gleichgewicht
Die Schilddrüse, der Zyklus, die Stresshormone und die Geschlechtshormone hängen eng zusammen. Deshalb kann eine Störung auch die Stimmung, die Periode oder das Gewicht beeinflussen. - Herz, Muskeln, Verdauung, Haut
Puls, Muskelkraft, Darmaktivität, Haut und Haare, überall spielen Schilddrüsenhormone eine Rolle.
Wenn die Schilddrüse aus dem Takt gerät, spürt man das oft sehr deutlich.
Was beobachten Experten?
Schilddrüsenerkrankungen treten bei Lipödem auffällig oft auf
Schilddrüsenerkrankungen kommen bei Lipödem Patientinnen auffällig häufig vor. Viele Experten nennen dies als eine typische Begleiterkrankung, besonders häufig die Unterfunktion. Dies sind zwar vor allem Erfahrungswerte und noch keine eindeutig belegten Studienzahlen, aber die Häufung fällt im Versorgungsalltag deutlich auf.
Häufig steckt die Autoimmunerkrankung Hashimoto dahinter.
Viele der beschriebenen Unterfunktionen entstehen durch Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Hashimoto geht mit chronischen Entzündungsprozessen einher und auch das Fettgewebe bei Lipödem gilt als entzündlich verändert. Das heißt nicht, dass das eine das andere verursacht, aber es könnte ein gemeinsames Muster geben.
Eine Unterfunktion kann Lipödem-Beschwerden indirekt verstärken
Eine schlecht eingestellte oder unentdeckte Unterfunktion kann ein Lipödem nicht auslösen, aber verschlimmern, vor allem über zwei typische Wege:
- Gewichtszunahme
Wenn der Stoffwechsel herunterfährt, nimmt man leichter zu. Mehr Gewicht bedeutet beim Lipödem oft mehr Druck, mehr Schmerzen und manchmal ein schnelleres Fortschreiten der Erkrankung. - Wassereinlagerungen / Ödeme
Unterfunktion fördert Flüssigkeitseinlagerungen. Das kann Schwellung, ein Spannungsgefühl oder Druckschmerzen verstärken.
Die Symptome überschneiden sich
Müdigkeit, Antriebslosigkeit, schwere Beine, Gewichtszunahme oder Kälteempfindlichkeit sind typische Symptome einer Unterfunktion. Gleichzeitig sind das Dinge, die viele Lipödem-Betroffene ohnehin erleben. Dadurch wird eine Schilddrüsenstörung manchmal spät erkannt.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du Lipödem hast, ist es sinnvoll, die Schilddrüse gezielt mituntersuchen zu lassen, nicht als „noch ein Problem“, sondern weil eine gut eingestellte Schilddrüse deinen Alltag und deine Beschwerden positiv beeinflussen kann.
Wenn du bereits eine Unterfunktion oder Hashimoto hast, kann eine gute Einstellung dabei helfen, Energie, Wasserhaushalt und Gewicht stabiler zu halten. Das macht das Lipödem Management oft spürbar einfacher.
Fazit
Es gibt einen Zusammenhang, aber nicht im Sinne von „Schilddrüse verursacht Lipödem“.
Was wir aktuell ziemlich klar sagen können:
- Schilddrüsenerkrankungen (vor allem Unterfunktion/Hashimoto) treten bei Lipödem häufig als Begleiterkrankung auf.
- Eine unbehandelte oder schlecht eingestellte Schilddrüse kann die Beschwerden eines Lipödems indirekt verstärken, insbesondere Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen.
Darum lohnt es sich, beides Aspekte zusammen zu betrachten. So bekommst du ein vollständigeres Bild und kannst gezielter handeln.
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