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Leaky Gut, Biohacking und Mikrobiomanalyse – Interview Dr. Simunec

Was hat mein Darm mit meinen Beinen zu tun? 

Im Interview mit dr. med. Denis Simunec revitCells®-Praxisklinik

Bild von dr. Simunec

 „Mein Name ist Dr. Denis Simunec, ich bin 48 Jahre alt. Ich bin plastischer Chirurg und Handchirurg und habe mich in den vergangenen Jahren auf regenerative Medizin spezialisiert. Ein großes Thema, gerade bei der Lipödemtherapie, und ich decke im Prinzip das gesamte Spektrum der klassischen Plastischen Chirurgie ab. Alle gängigen Verfahren wie Brustvergrößerung, Faltenbehandlung und Fettabsaugung gehören dazu. Deshalb bin ich seit Jahren in dieser Thematik zu Hause und nutze hier in der revitCells State-of-the-art-Technologie, also wirklich das modernste, was auf dem Markt verfügbar ist. Das modernste, ist nicht immer das Beste, aber ich suche das Beste heraus und arbeite zum Beispiel bei dem Thema Lipödem mit einem Wasserstrahlsystem. Bei revitCells nutzen wir wirklich Referenztechnologie. Das ist auch das, was mich meiner Meinung nach auszeichnet, dass ich sehr moderne Ansätze verfolge, besonders mit Fokus auf Biohacking, also ganzheitliche Medizin, auch bei Lipödem-Patient*innen.

Darm einer Frau

Ich möchte mich jetzt auf das Thema Lipödem konzentrieren, da dies sonst den Rahmen sprengen würde. Früher haben meine Kollegen und ich einfach das Fettgewebe abgesaugt, Kompression verordnet und die Patienten nach Hause entlassen, und das war die Behandlung.

Das war im Grunde die Vorgehensweise weltweit. Doch was ich immer wieder beobachtet habe, ist, dass viele Patientinnen nach 2-3 Jahren das gleiche Problem wieder haben. Das sollte nach einer Liposuktion eigentlich nicht passieren. Man entfernt das kranke Fettgewebe, und dann sollten die Frauen im Grunde geheilt sein. Doch das ist natürlich nicht der Fall.

Das haben wir jetzt erkannt. Wenn ich eine Lipödem-Patientin betrachte und das Fettgewebe absauge, also das schmerzhafte Gewebe, verschwindet zwar der Schmerz, aber das ist nur eine symptomatische Behandlung. Ich habe die Ursache nicht behoben, sondern nur das schmerzhafte Fettgewebe entfernt. Doch die Ursache, die das entzündliche Verhalten im Fettgewebe überhaupt verursacht hat, bleibt bestehen..

Das ist der Punkt, an dem ich mit dem sogenannten „Biohacking“ ansetze, um die Frauen innerlich zu „knacken“. Wir versuchen im Hintergrund zu verstehen, was dort vor sich geht. Die Grundlage dafür bildet eine Publikation aus den Jahren 2018/2019, in der Kollegen die Leaky-Gut-Theorie aufgegriffen haben.

Was bedeutet das? Nun, das Lipödem-Fett tut weh, weil Entzündungszellen vorhanden sind. Die Frage, die wir uns stellen, lautet: Wie gelangt die Entzündung in das Fettgewebe, und warum tritt sie häufig nach Schwangerschaft, Menopause oder Pubertät auf?

 Also, was besagt die Leaky-Gut-Theorie?

Leaky Gut bedeutet, dass der Darm durchlässig wird. Normalerweise sind im Dünndarm sogenannte „tight junctions“ vorhanden, die eine Art Schutzbarriere bilden, sodass nichts hindurchgehen kann. Wenn jedoch der Darm plötzlich undicht wird und diese tight junctions durchlässig werden, entsteht dieses Leaky Gut, und Giftstoffe und Toxine aus dem Darm können in den Körper gelangen. Es wird vermutet, dass sie sich im Fettgewebe ansiedeln und dort sekundär eine Entzündung verursachen.

Leaky Gut Grafik

Das ist der Punkt, an dem ich ansetze. Ich führe einerseits Hightech-Chirurgie durch, und das tue ich wirklich mit Leidenschaft, aber das allein reicht nicht aus. Jetzt können wir durch Mikrobiomanalyse im Blut testen, wie das Mikrobiom im Dünndarm aufgebaut ist. Das Besondere an meiner Methode ist, dass ich den Dünndarm betrachte. 

Meine Kollegen, die Internisten, denken bei Darm immer an den Dickdarm. Stuhlproben oder Darmspiegelungen sind alle Maßnahmen für den Dickdarm.

Doch der Dickdarm hat nicht wirklich etwas mit der Physiologie zu tun Das betrifft alles den Dünndarm. Das Problem war, dass wir nicht wussten, dass wir den Dünndarm untersuchen können. Rein mechanisch ist das auch nicht möglich, aber über eine Gaschromatographie im Labor über das Blut. Es gibt nur ein Labor auf der Welt, das dies durchführt. Mit diesen Ergebnissen können wir feststellen: Was lebt im Dünndarm? Wie ist es dort aufgebaut? Welche Viren, Bakterien und Pilze sind vorhanden, und sind sie zu viel oder zu wenig vorhanden ?

jetzt wird es interessant. Bei all meinen Lipödem-Patientinnen gibt es eine Verschiebung des Mikrobioms, was bei den meisten auf ein Leaky-Gut hinweist. Über 98 % meiner Patientinnen haben eine bestimmte Zusammensetzung aus Bakterien und Pilzen, die häufig durch einen Überschuss an Glukose verursacht wird.

Wir gehen noch einen Schritt weiter und überprüfen auch die Omega-Fettsäuren (6 zu 3). Idealerweise sollten sie im Verhältnis drei zu eins stehen. Das ist jedoch bei den wenigsten der Fall, aber besonders bei Lipödem-Patienten auffällig. Auch das können wir über das Blut bestimmen und den Wert korrigieren. Denn wenn auch die Omega-Fettsäuren nicht im Gleichgewicht sind, haben wir noch mehr Entzündungen im Körper.

Das bedeutet, alle Patienten erhalten von mir einen Therapieplan.

mKG: Eine wirklich ganzheitliche Therapie. Man muss also am Dünndarm arbeiten, damit die Entfernung des kranken Gewebes auch wirklich nachhaltige Ergebnisse bringt?

Genau, das Besondere ist, dass wenn man das Mikrobiom korrigiert, sich dieser Effekt auf die gesamte allgemeine Gesundheit auswirkt. Man hat mehr Leistungsfähigkeit, weniger Infekte, und man verändert sich ganzheitlich.

Der Dünndarm ist 6-8 m lang. Wenn darin alles „krankhaft verändert“ ist, dann ist der Rest auch „krank„. Dann ist man nicht gesund. Aber wenn man es korrigiert, dann werden die Menschen neben ihrer Lipödem-Erkrankung auch ganzheitlich fitter. Wir korrigieren in diesem Zusammenhang nicht nur den Dünndarm, sondern auch den Stoffwechsel.

„Biohacking“ eben, wir hacken das System. 

Wir haben viele Patienten, die allein für das Biohacking zu uns in die Praxis kommen. Vor allem seit Corona haben viele das Problem, dass sie nicht mehr so leistungsfähig und anfälliger für Infekte sind. Davon kann jeder profitieren.

Nahrungsergänzungsmittel in einem Löffel

mKG: Und wie funktioniert das Korrigieren?

Wenn ich jetzt die Mikrobiomanalyse durchführe und beispielsweise sehe, dass zu viele Pilze vorhanden sind, dann gilt es, diese Flora ins Gleichgewicht zu bringen. Wir verwandeln die Dysbiose in Eubiose. Das geschieht durch die Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungsmittel. Reinigende Substanzen, die die Pilze verdrängen und binden, sowie Aminosäuren, Vitamine, Shilajit, etc. Eine Vielzahl verschiedener Bausteine, die in Kombination das Mikrobiom teilweise abbauen und teilweise neu aufbauen. Die Therapie dauert in der Regel 4-6 Monate.

Die damit einhergehende Ernährungsumstellung ergibt sich dann meist von selbst. Es gibt zum Beispiel den sogenannten Ruminococcus. Das ist ein Bakterium , der sich von Kohlenhydraten ernährt. Während er die Kohlenhydrate verarbeitet, baut er die Schutzschicht des Dünndarms ab. Je mehr Kohlenhydrate ich also zu mir nehme, desto schneller baut meine Dünndarmwand ab. Das führt zu Leaky-Gut.

mKG: Würden Sie empfehlen, dass, wenn die finanziellen Mittel für eine Liposuktion nicht oder noch nicht vorhanden sind, man trotzdem eine Mikrobiomanalyse durchführen sollte, um möglichen Verschlechterungen des Lipödems vorzubeugen?

Auf jeden Fall! Dann weiß man, wo ich stehe. Diese Untersuchung kostet unter 1000€ und lohnt sich wirklich für jeden.

mKG: Muss ich schon vor der Liposuktion mit den Nahrungsergänzungsmitteln beginnen?

Das wäre natürlich optimal. In den meisten Fällen erfolgt es jedoch parallel. Wir beginnen gleichzeitig mit der Darmtherapie und der Operation.

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